„Online-Beratung“ beschreibt vier ziemlich unterschiedliche Dinge. Sie unterscheiden sich in dem, was sie leisten, wen sie erreichen und was sie kosten – und das Format, das zu einem Unternehmen passt, ergibt sich aus dem Bedarf, nicht aus dem Angebot.
Dieser Text stellt die Formate nebeneinander und beschreibt, wofür sie jeweils taugen.
Die vier Formate
Einzelberatung per Video
Das Kernformat. Eine Person, ein Termin, ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen. Typischerweise 50 Minuten, mehrere Sitzungen über einige Wochen.
Wofür: konkrete Anliegen, die individuelle Bearbeitung brauchen – Überlastung, Konflikte, private Belastungen, Entscheidungssituationen.
Stärke: Vertraulichkeit und Tiefe. Das einzige Format, das wirklich am Einzelfall arbeitet.
Grenze: erreicht nur, wer von sich aus kommt – erfahrungsgemäß eine Minderheit der Belegschaft.
Beratung per Telefon oder Chat
Dasselbe Prinzip, andere Zugangsschwelle. Ohne Kamera und ohne festen Termin sinkt die Hürde deutlich.
Wofür: Erstkontakt, kurze Fragen, Menschen, die vor einem Videogespräch zurückschrecken.
Stärke: die niedrigste Einstiegshürde. Oft der Weg, über den jemand überhaupt erst ins Angebot findet.
Grenze: für längere Prozesse weniger geeignet.
Teamformate
Moderierte Gespräche mit einem ganzen Team – nach Konflikten, Umstrukturierungen, Belastungsphasen oder Krisenereignissen.
Wofür: Belastungen, die aus der Zusammenarbeit entstehen und die einzeln nicht lösbar sind.
Stärke: setzt an den Verhältnissen an, nicht nur an den Personen – und erreicht alle, nicht nur die, die sich melden.
Grenze: braucht Freiwilligkeit und einen konkreten Anlass. Als Regeltermin ohne Thema verpufft es.
Selbsthilfe-Inhalte
Strukturierte Materialien, Übungen und Kurzformate zum eigenständigen Durcharbeiten.
Wofür: niedrigschwellige Prävention, Wartezeit-Überbrückung, Themen mit breitem Interesse wie Schlaf oder Stressregulation.
Stärke: skaliert ohne Zusatzkosten, jederzeit verfügbar, völlig anonym.
Grenze: ohne Einbettung bleibt die Nutzung meist niedrig, und bei ernsteren Anliegen ersetzt es nichts.
Welche Kombination wann
In der Praxis geht es selten um Entweder-oder. Sinnvoll ist eine Basis aus Einzelberatung plus niedrigschwelligem Erstkontakt, ergänzt um das, was zur Situation passt:
- Akuter Bedarf, kurzfristig: Einzelberatung mit kurzer Zeit bis zum Ersttermin. Alles andere ist nachrangig.
- Nach einem Konflikt oder einer Umstrukturierung: Teamformat, ergänzt um Einzelberatung für die, die mehr brauchen.
- Verteilte Standorte, Schichtbetrieb: asynchrone Zugänge und Selbsthilfe-Inhalte, weil Termine schwer zu legen sind.
- Prävention ohne konkreten Anlass: Selbsthilfe plus Führungskräftequalifizierung – Einzelberatung wird ohne Anlass kaum genutzt.
Was den Unterschied macht: die Zeit bis zum Ersttermin
Über alle Formate hinweg ist eine Größe entscheidender als die Formatwahl selbst – wie schnell jemand einen Termin bekommt. Ein Angebot mit acht Wochen Wartezeit ist präventiv wirkungslos, unabhängig davon, wie gut es sonst ausgestattet ist. Wer sich überwindet, Hilfe zu suchen, tut das in einem Zeitfenster; ist es zu, kommt er meist nicht wieder.
Fragen Sie deshalb bei jedem Anbieter nach dem Median der Zeit bis zum Ersttermin und danach, was bei Nutzungsspitzen passiert. Bei uns ist ein Erstgespräch innerhalb von 24 Stunden möglich.
Abgrenzung zur Psychotherapie
Keines dieser Formate ist Psychotherapie, und seriöse Anbieter sagen das von sich aus. Beratung arbeitet an konkreten, aktuellen Anliegen über einen begrenzten Zeitraum. Sie ist schnell verfügbar und braucht keine Diagnose – und genau deshalb greift sie dort, wo die Regelversorgung mit ihren Wartezeiten zu spät kommt.
Bei einer behandlungsbedürftigen Erkrankung ist die Aufgabe der Beratung, das zu erkennen und weiterzuvermitteln, nicht, sie zu behandeln. Wo genau die Grenze verläuft, erklärt unser Überblick was ein EAP genau ist.
Was die Formate kosten
Die Preismodelle unterscheiden sich stärker als die Formate. Vergleichbar werden Angebote erst, wenn Sie sie auf Kosten je tatsächlich geführter Beratung umrechnen – dafür brauchen Sie die erwartete Nutzungsquote und die durchschnittliche Sitzungszahl je nutzender Person. Unsere Preise sind mit Rechenbeispielen für verschiedene Unternehmensgrößen offen aufgeschlüsselt.
Häufige Fragen
Ist Online-Beratung so wirksam wie ein Gespräch vor Ort?
Für die typischen Beratungsanlässe gibt es keine belastbaren Hinweise auf relevante Unterschiede. Der praktische Vorteil überwiegt meist deutlich: kein Anfahrtsweg, mehr Terminfenster, und für viele eine niedrigere Hemmschwelle.
Was ist mit Mitarbeitenden ohne ruhigen Raum?
Ein realer Punkt, besonders in Produktion und Schichtbetrieb. Telefonberatung und Randzeiten helfen. Manche Unternehmen stellen einen reservierbaren Raum bereit – dann muss die Buchung allerdings so laufen, dass sie nichts über den Anlass verrät.
Wie viele Sitzungen sind üblich?
Als Erfahrungswert rund zehn Beratungen je nutzender Person, mit großer Streuung – viele Anliegen sind nach zwei bis drei Gesprächen geklärt.
Erfährt der Arbeitgeber, wer teilnimmt?
Nein. Inhalte und Teilnahme sind vertraulich; der Arbeitgeber erhält ausschließlich aggregierte Kennzahlen oberhalb einer vereinbarten Mindestfallzahl.





