Progressive Muskelentspannung: In 5 oder 20 Minuten zur Ruhe
Die Progressive Muskelentspannung (PMR) nach Edmund Jacobson ist eine der am besten untersuchten Entspannungstechniken. Ein systematischer Review aus dem Jahr 2024 bestätigt positive Effekte von PMR auf Stress, Angst und depressive Symptome (siehe Quelle unten).
Damit die Übung in deinen Alltag passt, stellen wir dir hier zwei Varianten vor: die vollständige Langform (15–20 Minuten, neun Muskelgruppen) für tiefe Entspannung und die Kurzform (5 Minuten, vier Muskelgruppen) für zwischendurch.
Was ist Progressive Muskelentspannung?
Bei der PMR spannst du nacheinander verschiedene Muskelgruppen bewusst an und lässt sie anschließend wieder los. Anspannen, halten, loslassen – der Unterschied zwischen beidem ist das Eigentliche: Der Kontrast macht es leichter, tief in die Entspannung zu finden, auch für Menschen, denen „einfach loslassen“ sonst schwerfällt.
Wann hilft Progressive Muskelentspannung?
- Bei Stress und innerer Unruhe: um körperliche Anspannung gezielt abzubauen
- Bei Verspannungen: z. B. in Nacken, Schultern oder Kiefer nach langem Sitzen
- Als Einschlafhilfe: gut geeignet im Liegen, ohne Blick auf den Wecker
- In der Mittagspause: die Kurzform reicht für eine Runde am Schreibtisch
Langform (15–20 Minuten): Die vollständige Anleitung nach Jacobson
Bei jeder der neun Muskelgruppen gilt: 5–7 Sekunden anspannen (etwa 70 % deiner Kraft), dann 30–45 Sekunden lösen und bewusst nachspüren.
1. Rechter Arm & Hand – Faust schließen, Unterarm anspannen, Bizeps anbeugen. 2. Linker Arm & Hand – dieselbe Abfolge auf der anderen Seite. 3. Stirn & Augen – Stirn runzeln, Augenlider fest schließen. 4. Kiefer & Mund – Zähne leicht zusammenbeißen, Zunge an den Gaumen drücken, Lippen aufeinanderpressen. 5. Nacken & Schultern – Schultern zu den Ohren ziehen, Kinn leicht zur Brust neigen. 6. Brust & Rücken – Schulterblätter zusammenziehen, Brustkorb weiten. 7. Bauch – Bauchdecke fest machen, als würdest du einen Stoß erwarten. 8. Gesäß & Oberschenkel – Gesäß anspannen, Oberschenkel gegeneinanderdrücken. 9. Waden & Füße – Zehen zum Körper ziehen, Waden anspannen, nicht zu fest.
So läuft die Langform ab: Leg dich hin oder setz dich bequem hin, Handy stumm. Atme zwei Minuten ruhig, bevor du beginnst. Gehe die Gruppen 1 bis 9 in dieser Reihenfolge durch: anspannen – lösen – nachspüren. Spüre am Ende zwei Minuten lang in deinen ganzen Körper hinein. Komm langsam zurück: tief durchatmen, räkeln, Augen öffnen.
Langform als PDF herunterladen – Dauer 15–20 Minuten, am besten zur gleichen Tageszeit, in den ersten Wochen täglich.
Kurzform (5 Minuten): Für zwischendurch
Die Kurzform fasst denselben Körper in vier große Gruppen zusammen. Pro Gruppe gilt: 5 Sekunden anspannen (etwa 70 %, nie bis zum Schmerz), dann 20 Sekunden lösen.
1. Hände & Arme – Fäuste schließen, Arme anbeugen, Spannung bis in die Schultern aufbauen. 2. Gesicht & Nacken – Stirn runzeln, Augen zusammendrücken, Zähne leicht zusammen, Schultern hochziehen. 3. Rumpf – Bauchdecke fest machen, Gesäß anspannen, Schulterblätter leicht zusammenziehen. 4. Beine & Füße – Beine strecken, Zehen zum Körper ziehen, Waden und Oberschenkel anspannen.
So läuft die Kurzform ab: Setz oder leg dich hin, Augen geschlossen oder Blick weich. Pro Gruppe: 5 Sekunden anspannen, 20 Sekunden lösen. Beim Anspannen einatmen, beim Lösen ausatmen. In der Lösephase nur nachspüren: Wärme, Schwere, Kribbeln. Zum Schluss dreimal ruhig durchatmen, dann Hände und Füße bewegen.
Kurzform als PDF herunterladen – ideal für die Mittagspause, bei akuter Verspannung oder als Einstieg vor der Langform.
Häufige Fehler
Nicht nach Perfektion streben – etwa 70 % Anspannung genügen völlig, mehr ist nicht nötig. Die Lösephase nicht abkürzen, sie ist der eigentlich wirksame Teil der Übung. Bei Ablenkung nicht von vorn beginnen, sondern dort weitermachen, wo du warst. Und: beim Anspannen nicht die Luft anhalten, sondern weiteratmen.
Gut zu wissen
Lass schmerzende oder verletzte Regionen aus. Bei Muskelerkrankungen, Epilepsie oder in der Schwangerschaft solltest du die Übung vorher ärztlich abklären lassen. Die Wirkung entsteht vor allem durch Regelmäßigkeit – täglich kurz ist wirksamer als einmal lang.
Häufige Fragen zur Progressiven Muskelentspannung
Welche Variante passt zu mir – Lang- oder Kurzform? Für den Einstieg oder bei wenig Zeit eignet sich die Kurzform. Wer tiefer entspannen möchte oder abends zur Ruhe kommen will, ist mit der Langform meist besser bedient. Beide lassen sich auch kombinieren.
Wie oft sollte ich PMR üben? In den ersten Wochen idealerweise täglich, danach reicht es, sie nach Bedarf einzusetzen – etwa bei Stress oder vor dem Einschlafen.
Für wen ist PMR nicht geeignet? Bei Muskelerkrankungen, Epilepsie oder in der Schwangerschaft solltest du vorher ärztlichen Rat einholen. Schmerzende Regionen lässt du grundsätzlich aus.
Du möchtest lernen, besser mit Angst und Stress umzugehen? In unserer psychologischen Online-Beratung begleiten wir dich dabei.
Quelle: Khir, S. M., Wan Mohd Yunus, W. M. A., Mahmud, N., Wang, R., Panatik, S. A., Mohd Sukor, M. S., & Nordin, N. A. (2024). Efficacy of Progressive Muscle Relaxation in Adults for Stress, Anxiety, and Depression: A Systematic Review. Psychology Research and Behavior Management, 17, 345–365. https://doi.org/10.2147/PRBM.S437277





