Mentale Gesundheit Unternehmen: Kennzahlen und Ziele

Lesedauer: 5 Minuten

Wenn Unternehmen mentale Gesundheit systematisch verbessern wollen, brauchen sie klare Kennzahlen und realistische Ziele. Das ist nicht nur eine Frage der Wirkung, sondern auch der Compliance und Effizienz. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Depression und Angststörungen die Weltwirtschaft jährlich rund 1 Billion US-Dollar an Produktivitätsverlusten kosten. Ein zielgerichtetes Programm in Ihrem Unternehmen sollte daher messbar zeigen, wie Zugang, Nutzung, Arbeitsfähigkeit und Kultur sich entwickeln, und wie Investitionen wirken.

Warum Messen in Deutschland Pflicht und Kür ist

  • Rechtlicher Rahmen: In Deutschland verlangt das Arbeitsschutzgesetz eine Gefährdungsbeurteilung, die auch psychische Belastungen einbezieht. Praxisleitfäden bietet das Programm psyGA der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Mehr dazu bei psyGA.
  • Wirtschaftlicher Nutzen: Investitionen in betriebliche mentale Gesundheit können sich auszahlen. Eine Deloitte-Analyse berichtet signifikante positive Renditen, je nach Maßnahme und Zielgruppe. Ein Einstieg gibt Deloitte UK.
  • Krankenkassenlage: Gesetzliche Krankenkassen zeigen seit Jahren, dass psychische Erkrankungen zu langen Fehlzeiten führen. Ein Überblick findet sich im AOK Fehlzeiten-Report.

Von der Maßnahme zur Wirkung, die Messlogik

Wirksame Programme verknüpfen Aktivitäten mit Outcomes und Impact. Hilfreich ist eine Kette aus fünf Stufen.

Ein einfaches horizontales Flussdiagramm mit fünf Kästen und Pfeilen: Input (Budget, Tools, Personal), Aktivität (Schulungen, Beratung, Inhalte), Output (Teilnahmen, Wartezeiten, Zufriedenheit), Outcome (weniger Stress, höhere psychologische Sicherheit, bessere Arbeitsfähigkeit), Impact (weniger Fehlzeiten, geringere Fluktuation, positive Rendite).

  • Input, Ressourcen wie Budget, Tools, interne Zeit.
  • Aktivität, was tatsächlich umgesetzt wird, etwa Schulungen oder 1 zu 1 Beratungen.
  • Output, direkte Ergebnisse, zum Beispiel Teilnahmequoten oder Wartezeiten.
  • Outcome, Veränderung bei Menschen und Teams, etwa geringeres Burnout-Risiko oder höhere psychologische Sicherheit.
  • Impact, Effekt auf Geschäft und Risiken, zum Beispiel Fehlzeiten, Fluktuation, Produktivität und ROI.

Leading und Lagging Indicators, was wirklich hilft

  • Leading Indicators, frühe Signale, die sich schnell bewegen, etwa Bekanntheit des Angebots, Zeit bis zum Erstgespräch, Teilnahmequote, Managerkompetenz, psychologische Sicherheit.
  • Lagging Indicators, nachlaufende Ergebnisse, die langsamer reagieren, etwa Fehlzeiten, Dauer je Krankheitsfall, Fluktuation, Produktivitätsverluste.

Beides gehört in ein Dashboard, damit Sie Fortschritt zeitnah erkennen und langfristige Wirkung nachweisen können.

Die wichtigsten Kennzahlen für mentale Gesundheit im Unternehmen

Kennzahl Typ Definition Datenquelle Frequenz Beispielziel
Bekanntheit des Angebots Leading Anteil Mitarbeitende, die das Angebot kennen Pulse-Survey, Intranet-Views monatlich Bekanntheit gegenüber Baseline um 30 Prozent erhöhen innerhalb von 2 Quartalen
Zeit bis zum Erstgespräch Leading Durchschnittliche Tage vom Erstkontakt bis zur Beratung Anbieter-Analytics monatlich 90 Prozent der Erstgespräche innerhalb von 48 Stunden
Nutzungsrate Beratung Leading Anteil Belegschaft mit mindestens einer Session im Zeitraum Anbieter-Analytics monatlich, quartalsweise Nutzung gegenüber Baseline um 25 Prozent erhöhen
Engagement im Selbsthilfe-Hub Leading Aktive Nutzer pro Monat, durchschnittliche Lesezeit Content-Analytics monatlich 20 Prozent aktive Nutzung im Pilotbereich innerhalb von 3 Monaten
Zufriedenheit nach Session Leading Durchschnittlicher Bewertungswert, anonym Anonyme Kurzbefragungen laufend, monatliches Reporting Schnitt von mindestens 4,6 von 5
Psychologische Sicherheit Leading Index basierend auf validierten Survey-Items Mitarbeiterbefragung, anonym quartalsweise plus 10 Punkte gegenüber Baseline in 2 Quartalen
Burnout-Risikowert Leading Kurzskala zur Erschöpfung, anonymisiert Mitarbeiterbefragung quartalsweise Anteil Hochrisiko um 20 Prozent senken binnen 6 Monaten
Fehlzeiten psychisch Lagging Krankheitstage mit psychischer Ursache HR-System, aggregiert quartalsweise Trend stabilisieren, dann um X Prozent senken in 12 Monaten
Dauer je Fall Lagging Durchschnittliche Tage pro psychisch bedingtem Fall HR-System, aggregiert quartalsweise minus 10 Prozent in 12 Monaten
Präsentismus-Index Lagging Produktivitätsverlust am Arbeitsplatz, Selbstauskunft Validierte Kurzskala, z. B. WPAI halbjährlich minus 15 Prozent in 12 Monaten
Fluktuation in Belastungsrollen Lagging Austrittsquote in Teams mit hoher Belastung HR-Analytics quartalsweise minus X Punkte in 12 Monaten
ROI-Schätzung Impact Nutzen minus Kosten im Verhältnis zur Investition Modellrechnung auf Basis Ihrer Daten halbjährlich positiver ROI innerhalb von 18 Monaten

Hinweis zu Messinstrumenten: Für psychosoziale Faktoren haben sich Validierungen wie das COPSOQ bewährt. Bei der Auswahl von Frageinstrumenten sollte immer Datenschutz, Anonymität und eine schlanke Nutzererfahrung im Vordergrund stehen.

Ziele, die in der Praxis tragen, S.M.A.R.T. und OKR

Gute Ziele sind spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. In vielen Unternehmen bewährt sich OKR, weil es Outcome fokussiert und Prioritäten klärt.

Beispiel, 90 Tage, Zugang sicherstellen

  • Objective, Jeder Mitarbeitende findet innerhalb von zwei Klicks und 48 Stunden Hilfe.
  • Key Results,
    • 90 Prozent der Erstgespräche innerhalb von 48 Stunden,
    • Landingpage-Reichweite auf 80 Prozent der Belegschaft erhöhen,
    • Zufriedenheit nach Erstgespräch mindestens 4,6 von 5.

Beispiel, 6 Monate, Kultur und Kompetenz aufbauen

  • Objective, Psychologische Sicherheit und Führungskompetenz spürbar verbessern.
  • Key Results,
    • Psychologische Sicherheit plus 10 Punkte gegenüber Baseline,
    • 70 Prozent der Führungskräfte absolvieren ein Training zur Gesprächsführung,
    • Anonyme Inanspruchnahme steigt um 25 Prozent ohne Mehrbelastung einzelner Teams.

Beispiel, 12 Monate, Wirkung und Wirtschaftlichkeit

  • Objective, Arbeitsfähigkeit stärken und wirtschaftlichen Nutzen nachweisen.
  • Key Results,
    • Präsentismus-Index um 15 Prozent senken,
    • Fehlzeiten-Trend psychisch bedingt drehen, dann um X Prozent reduzieren,
    • Nachweis eines positiven ROI auf Basis interner Daten.

So bauen Sie eine belastbare Datengrundlage auf

  1. Baseline festlegen, Erheben Sie die Kennzahlen mindestens ein Quartal vor Programmausweitung. Ohne Baseline gibt es keine Wirkungsmessung.
  2. Datenschutz und Vertrauen priorisieren, Kein Tracking auf Individualebene, keine Gesundheitsdaten mit Personenbezug. Arbeiten Sie mit aggregierten, anonymisierten Daten und klaren Datenschutzinformationen. Nutzen Sie minimale Samplegrößen, zum Beispiel erst ab N größer gleich 10 berichten.
  3. Kurze, valide Fragen nutzen, Wenige Items mit hoher Aussagekraft schlagen lange Fragebögen. Für psychologische Sicherheit funktionieren 3 bis 5 präzise Items zuverlässig.
  4. Cadence definieren, Leading monatlich, Lagging quartalsweise, Impact halbjährlich. Halten Sie den Aufwand im Blick, Qualität vor Quantität.
  5. Segmentieren, wo sinnvoll, Nur dort, wo die Anonymität gewahrt bleibt, zum Beispiel nach Standort oder Funktion. Kleine Teams zusammenfassen.
  6. Bias reduzieren, Kommunizieren Sie den Zweck der Erhebung, sichern Sie Vertraulichkeit zu und erheben Sie nicht direkt nach großen Umbrüchen.

Von Zahlen zu Entscheidungen, das Reporting richtig lesen

  • Frühwarnungen ernst nehmen, Steigende Wartezeiten oder abnehmende Bekanntheit sind schnelle Stellhebel für Kommunikation oder Kapazitätsplanung.
  • Wirkung differenziert betrachten, Niedrige Nutzung kann Stigma oder Unbekanntheit bedeuten, hohe Nutzung kann auf gestiegene Sichtbarkeit hindeuten. Kontext ist entscheidend.
  • Saisonale Muster nutzen, Q4 bis Q1 zeigen oft mehr Unterstützungsbedarf. Planen Sie Kampagnen, zum Beispiel zu saisonalen Stimmungsschwankungen, unser Beitrag Herbstblues bietet Anregungen.
  • Inhalte mit Bedarf verknüpfen, Selbstfürsorgeartikel wie Zeit für mich und ressourcenorientierte Übungen wie Meine Ressourcen unterstützen die tatsächliche Verhaltensänderung.

Ein modernes HR-Dashboard am Laptop zeigt Kennzahlen zur mentalen Gesundheit, darunter Zeit bis zum Erstgespräch, Nutzungsrate, Zufriedenheitsscore, Trend der Fehlzeiten und einen Index für psychologische Sicherheit.

ROI und Kosten abschätzen, eine pragmatische Formel

Eine einfache Orientierung für die Wirkung auf Fehlzeiten und Präsentismus kann so aussehen.

  • Kosten der Maßnahme pro Jahr, Lizenzgebühren, interne Zeit, Kommunikationsbudget.
  • Entlastung bei Fehlzeiten, Reduktion in Tagen multipliziert mit durchschnittlichen Personalkosten pro Tag.
  • Entlastung bei Präsentismus, Reduktion des selbstberichteten Produktivitätsverlusts multipliziert mit Arbeitszeit und Personalkosten.

ROI gleich, Nutzen minus Kosten, geteilt durch Kosten. Nutzen Sie konservative Annahmen und validieren Sie diese halbjährlich mit Ihren realen Daten. WHO und ILO geben praxisnahe Leitlinien für arbeitsbezogene mentale Gesundheit, ein Einstieg ist das WHO-Factsheet zu Mental Health at Work.

Häufige Stolpersteine vermeiden

  • Nur auf Lagging schauen, Wer nur auf Fehlzeiten blickt, reagiert zu spät. Leading Indicators sind Ihr Frühwarnsystem.
  • Zu viele Kennzahlen, Konzentrieren Sie sich auf 8 bis 12 Metriken, die Sie zuverlässig berichten können.
  • Datenschutz unterschätzen, Ohne Vertrauen kippt die Teilnahme. Anonymität ist Pflicht und Teil der Wirksamkeit.
  • Maßnahmen ohne Kontext, Schulungen ohne Praxis und Follow-up versanden. Verknüpfen Sie Inhalte mit Teamsituationen und Gesprächen.
  • One size fits all, Unterschiedliche Standorte, Schichten und Sprachen brauchen angepasste Maßnahmen. Orientierung zu individuellen Unterschieden bietet auch unser Überblick Persönlichkeit.

Wie Mindvise Ihre Kennzahlen stützt

Mindvise ist Mental Health Partner für Unternehmen und Selbstzahler, mit schneller, barrierearmer Hilfe und einem klaren Blick auf Wirkung.

  • 1 zu 1 Online-Video-Beratungen, Schneller Zugang, in der Regel innerhalb von 48 Stunden. Ziele, Wartezeiten senken, Zufriedenheit erhöhen, Arbeitsfähigkeit unterstützen.
  • Mehrsprachige Betreuung und Content-Hub, Ziele, Bekanntheit und Nutzung steigern, Inhalte an unterschiedliche Belegschaftsgruppen anpassen.
  • Psychoedukative Ressourcen, Ziele, Selbstwirksamkeit stärken und Frühintervention erleichtern, etwa mit Artikeln zu Selbstfürsorge und Ressourcen.
  • HR-Dashboard und Nutzungsanalysen, Ziele, transparente, aggregierte Kennzahlen zu Bekanntheit, Nutzung und Feedback. Anonyme Feedback-Umfragen stützen Ihre Leading Indicators.
  • Teamberatungen und Planung, Ziele, Führungskräfte befähigen, psychologische Sicherheit und Gesprächsführung stärken.
  • Individuelle Lösungen für Unternehmen, Ziele, passgenaue Maßnahmen je Standort, Rolle und Sprache, ohne Anonymität zu gefährden.

Wichtig, Wir arbeiten mit aggregierten, anonymisierten Daten und respektieren den Datenschutz. Personengebundene Gesundheitsdaten gehören nicht ins HR-Dashboard.

Nächste Schritte, von der Idee zum belastbaren Programm

  1. Ziele auswählen, Wählen Sie 3 bis 5 Prioritäten für 90 Tage, dazu 3 Outcome-Ziele für 6 bis 12 Monate.
  2. Baseline erfassen, Kurze anonyme Surveys plus technische Kennzahlen wie Wartezeiten und Nutzung.
  3. Pilot starten, Mit einem klar definierten Bereich, regelmäßigen Check-ins und einem einfachen Dashboard.
  4. Skalieren und lernen, Quartalsweise Reviews, Maßnahmen anpassen, Storytelling mit echten Mitarbeitendenstimmen, anonym und freiwillig.

Wenn Sie ein pragmatisches, datengestütztes Programm zur mentalen Gesundheit im Unternehmen aufsetzen oder professionalisieren möchten, sprechen Sie mit uns. Erfahren Sie mehr über Zugänge, Inhalte und Reporting bei Mindvise. So werden aus guten Absichten sichtbare Ergebnisse, für Menschen und für das Geschäft.

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