Psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz: Quick-Check

Lesedauer: 5 Minuten

Gute Nachrichten zuerst, psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz lässt sich schnell einschätzen und gezielt verbessern. Dieser Quick-Check hilft Ihnen in zwei Minuten, Stressoren zu erkennen, Ressourcen zu stärken und die nächsten Schritte zu planen, als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter sowie als HR und Führung.

Warum psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz zählt

Menschen arbeiten besser, wenn sie gesund sind. Organisationen profitieren durch geringere Fehlzeiten, höhere Produktivität und stärkere Bindung. Internationale Leitlinien zeigen, dass Arbeitsgestaltung, Führung, soziale Unterstützung und Erholungsmöglichkeiten zentrale Stellschrauben sind, um mentale Gesundheit zu fördern. Siehe etwa die Empfehlungen der WHO und ILO zu Mental Health am Arbeitsplatz sowie den Überblick der EU-OSHA zu psychosozialen Risiken. In Deutschland gehört die Beurteilung psychischer Belastungen zur gesetzlichen Gefährdungsbeurteilung, Informationen stellt die BAuA bereit.

Der 2-Minuten-Quick-Check

So gehts, blicken Sie auf die letzten zwei Wochen zurück. Bewerten Sie jede Aussage auf einer Skala von 0 bis 3, 0 nie oder selten, 1 gelegentlich, 2 oft, 3 sehr häufig.

Eine Person sitzt an einem aufgeräumten Schreibtisch mit Pflanzen und füllt einen kurzen Wohlbefinden-Check auf Papier aus, ruhige Büroumgebung, Tageslicht, inklusiv dargestellt.

Bereich Aussage, letzte 2 Wochen Score 0–3
Arbeitsmenge Ich fühlte mich häufig gehetzt oder überlastet.
Klarheit Mir fehlte Klarheit über Prioritäten und Erwartungen.
Autonomie Ich hatte wenig Einfluss darauf, wie ich meine Arbeit erledige.
Führung Ich fühlte mich von meiner Führungskraft nicht ausreichend unterstützt.
Erholung Ich konnte nach der Arbeit schlecht abschalten oder erholen.
Digitaler Druck Unterbrechungen und Meetings verhinderten fokussiertes Arbeiten.
Fairness Ich erlebte unfairen oder respektlosen Umgang.
Team Mir fehlte Rückhalt und Zugehörigkeit im Team.
Sinn Meine Arbeit erschien mir selten sinnvoll.
Psychologische Sicherheit Ich zögerte, Probleme offen anzusprechen, aus Angst vor negativen Folgen.

Auswertung in drei Schritten

  1. Addieren Sie alle Punkte, maximal 30.
  2. Markieren Sie Felder mit 3 Punkten als rote Flaggen, hier besteht akuter Handlungsbedarf.
  3. Interpretieren Sie den Gesamtscore,
    • 0 bis 10, grüne Zone. Gut, behalten Sie funktionierende Strategien bei.
    • 11 bis 20, gelbe Zone. An einzelnen Hebeln arbeiten und Fortschritt beobachten.
    • 21 bis 30, rote Zone. Belastung ist hoch, zeitnahe Unterstützung organisieren.

Hinweis, Der Quick-Check ersetzt keine Diagnose. Bei anhaltender Belastung oder stark eingeschränktem Alltag ist professionelle Hilfe sinnvoll.

Was Ihre Ergebnisse bedeuten, nächste Schritte für Mitarbeitende

Wenn einzelne Punkte herausstechen, lohnt es sich, sehr konkret zu werden. Beispiel, Sie haben bei Erholung 2 oder 3 Punkte, planen Sie für die kommenden sieben Tage tägliche Erholungsfenster und kommunizieren Sie diese im Teamkalender, zum Beispiel Fokuszeit 9 bis 11 Uhr, keine Meetings nach 17 Uhr.

Weitere kurzfristige Hebel,

  • Klären Sie Erwartungen, bitten Sie Ihre Führungskraft um Priorisierung von Top 3 Aufgaben dieser Woche.
  • Reduzieren Sie Störungen, bündeln Sie Chats und E-Mail in zwei festen Slots pro Tag, schalten Sie in Fokusphasen Benachrichtigungen aus.
  • Vereinbaren Sie Grenzen, definieren Sie ein End-of-Work-Ritual, zum Beispiel kurzer Tagesrückblick, Laptop zu, 10 Minuten Bewegung.
  • Aktivieren Sie Ressourcen, nutzen Sie persönliche und soziale Stärken bewusst. Eine Anleitung finden Sie in unserem Beitrag Meine Ressourcen.
  • Pflegen Sie Selbstfürsorge als Routine, konkrete Ideen bietet Zeit für mich. Saisonale Tiefs, siehe auch Herbstblues, lassen sich mit Licht, Bewegung und sozialen Kontakten abfedern.

Wenn Sie sich länger belastet fühlen oder mehrere Bereiche rot sind, holen Sie sich Unterstützung. Bei Mindvise erhalten Sie 1,1 Onlineberatungen bei Psychologinnen und Psychologen, in der Regel innerhalb von 48 Stunden, mehrsprachig und vertraulich.

Hebel für HR und Führung, aus dem Quick-Check wird Veränderung

Einzelne Hürden sind oft Symptome von Strukturen. Führung und HR können mit wenigen, gezielten Eingriffen viel bewegen.

  • Arbeitsgestaltung, prüfen Sie Volumen und Priorisierung. Vereinbaren Sie Meetingfreie Fokuszeiten und klare Übergabepunkte für Teamarbeit.
  • Rollenklarheit, etablieren Sie einfache Weeklies, in denen Ziele und Abhängigkeiten in 15 Minuten synchronisiert werden.
  • Autonomie, dezentralisieren Sie Entscheidungen dort, wo die Arbeit passiert. Kleine Entscheidungsspielräume reduzieren Stress spürbar.
  • Erholung, definieren Sie teamweite Erholungsregeln, keine Meetings über Mittag, feste Feierabendfenster, Vertretungsregeln in Peakzeiten.
  • Psychologische Sicherheit, beginnen Sie Meetings mit Check-in Frage, Was beschäftigt euch gerade, und belohnen Sie das Ansprechen von Risiken.
  • Führung befähigen, kurze Lernnuggets zu Anerkennung, Feedback und Belastungssteuerung wirken schnell. Mikro-Trainings sind im Arbeitsalltag anschlussfähig.
  • Messen, nutzen Sie anonyme Pulsbefragungen mit 5 Kernitems aus dem Quick-Check, Anforderungen, Klarheit, Unterstützung, Erholung, Fairness. Verfolgen Sie Trends im HR Dashboard und priorisieren Sie Maßnahmen datenbasiert.

Rechtlicher Rahmen, Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist Pflicht. Der Quick-Check kann ein niederschwelliger Einstieg sein, ersetzt aber keine vollständige Gefährdungsbeurteilung. Orientierung bietet die BAuA.

Wie Mindvise unterstützt, Für Unternehmen bieten wir individuell zugeschnittene Lösungen, 1,1 Video-Sprechstunden innerhalb von 48 Stunden, Teamberatungen und psychoedukative Ressourcen, ein HR Dashboard mit Nutzungsanalytik, anonyme Feedbacks für ein belastbares Bild der Lage, Support in mehreren Sprachen. Sprechen Sie uns an, gemeinsam gestalten wir wirkungsvolle, messbare Interventionen.

Wissen in Kürze, warum diese Hebel wirken

  • Arbeitsanforderungen und Ressourcen müssen in Balance sein. Steigen Anforderungen, sollten Ressourcen wie Autonomie, soziale Unterstützung, Kompetenzerleben und Erholungsmöglichkeiten mitwachsen. Dieser Befund ist Kern moderner Arbeitspsychologie und deckt sich mit europäischen Empfehlungen zu psychosozialen Risiken, siehe EU-OSHA.
  • Organisationen profitieren doppelt. Forschung und Monitoring zeigen, dass Teamklima, Engagement und Wohlbefinden zusammenhängen. Aktuelle internationale Arbeitsmarktanalysen verweisen darauf, dass zielgerichtete Investitionen in mentale Gesundheit Fluktuation und Fehlzeiten senken. Eine jährlich aktualisierte Übersicht bietet Gallup, siehe State of the Global Workplace.
  • Führung macht den Unterschied. Die WHO Leitlinien zu Mental Health am Arbeitsplatz empfehlen unter anderem Führungskräfte in mentaler Gesundheit zu schulen und Arbeitsgestaltung so zu verbessern, dass Risiken reduziert und Schutzfaktoren gestärkt werden.

Einfache Waage als Diagramm, linke Seite Arbeitsanforderungen wie Arbeitsmenge, Zeitdruck, Unterbrechungen, rechte Seite Ressourcen wie Autonomie, soziale Unterstützung, Erholung, Sinn, Ziel ist Balance.

Mini-Pulse für Remote und hybride Teams

Viele Teams arbeiten verteilt. Drei Fragen, die Sie monatlich anonym erheben können, geben ein treffsicheres Signal,

  • Ich konnte in diesem Monat überwiegend fokussiert arbeiten.
  • Ich wusste, was diese Woche Priorität hat.
  • Ich fühlte mich von Team und Führung unterstützt, wenn es eng wurde.

Ergänzen Sie eine offene Frage, Was hat mir Erholung ermöglicht, was hat sie verhindert. Aus 30 Sekunden Feedback entstehen sehr konkrete Impulse.

Häufige Fragen

Ist Stress am Arbeitsplatz automatisch ungesund? Kurzfristige Aktivierung kann produktiv sein. Problematisch wird es, wenn hoher Druck ohne ausreichende Ressourcen und Erholung anhält. Dann steigen Risiken für Erschöpfung und Fehler.

Wie oft sollte ich den Quick-Check nutzen? Als Person einmal im Monat oder immer nach intensiven Phasen. Für Teams empfiehlt sich ein kurzes, anonymes Quartalspulsing.

Kann ich den Quick-Check für die Gefährdungsbeurteilung verwenden? Er eignet sich als niederschwelliger Einstieg. Eine formale Gefährdungsbeurteilung erfordert eine systematische, partizipative Vorgehensweise. Leitfäden bietet die BAuA.

Was mache ich, wenn mehrere Felder rot sind? Priorisieren Sie zwei Hebel, die Sie innerhalb von zwei Wochen beeinflussen können, zum Beispiel Meetings reduzieren und Prioritäten klären. Holen Sie zusätzlich Unterstützung, etwa durch eine vertrauliche Onlineberatung.

Wie spreche ich meine Führungskraft an? Nutzen Sie Ich-Botschaften und verbinden Sie Problem und Vorschlag, Mir fällt das Abschalten schwer, ich würde gerne zwei Meetingfreie Zeiten pro Woche testen, damit ich die Projektarbeit schneller abschließe.

Wenn Sie jetzt Unterstützung möchten

  • Für Mitarbeitende, Buchen Sie eine vertrauliche 1,1 Onlineberatung bei Mindvise, in der Regel innerhalb von 48 Stunden und auf Wunsch mehrsprachig. Start unter https://mindvise.de
  • Für HR und Führung, Sie möchten psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz strukturiert fördern. Wir entwickeln mit Ihnen eine passgenaue Lösung aus Beratung, Teamformaten, Ressourcen-Hub und HR Dashboard. Kontakt über https://mindvise.de

Bei akuter Krise wenden Sie sich bitte an den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge, 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, rund um die Uhr und kostenfrei.

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